In der weiterführenden Schule: Wieviel Überwachung und Druck beim Lernen ab der 5. Klasse?

Gefühlt war es erst gestern, als das Kind mit den frechen Zahnlücken und der Schultüte in der Hand seinen ersten Schultag beging. Ein Wimpernschlag später steht bereits der Schulwechsel in die weiterführende Schule an. Natürlich ist dazwischen aber viel passiert. Die Grundschulbildung ist abgeschlossen: Lesen, Schreiben und die Grundrechenarten werden sicher beherrscht und das Kind kennt sich mit Schule, Lernen und Hausaufgaben aus. Mit dem neuen Lebensabschnitt tauchen aber neue Fragen auf. Vor allem: Wie viel Überwachung und Druck braucht mein Kind beim Lernen ab der 5. Klasse? Muss ich weiter täglich die Hausaufgaben kontrollieren und mit ihm gemeinsam lernen?

Die Grundschulzeit unter elterlicher Obhut

Wenn Kinder in die Grundschule kommen, ist das für Eltern meist mindestens genauso aufregend wie für das Kind. Bereits ab dem Kindergartenalter sollen Eltern bei der Vorbereitung auf die Schulzeit unterstützen, wichtige Fähigkeiten vermitteln und rechtzeitig Lern- und Entwicklungsdefizite erkennen und gegensteuern. Die große Verantwortung trägt sich dann durch die ganze Grundschulzeit: An Elternabenden wird die elterliche Kontrolle der Hausaufgaben als bedeutend vermittelt und auch das gemeinsame Üben von Lauten, Buchstaben, dem Lesen und Rechnen im häuslichen Bereich wird als notwendig erachtet. In der Grundschulzeit sind Eltern damit ganz nah dran am Lernen und Üben und können die Lernschritte verfolgen, bei Problemen intervenieren und gemeinsam Erfolge feiern. Soweit so gut. Doch wie lange sollten Eltern so intensiv das Lernen und Üben begleiten? Sollte das Kind nicht irgendwann selbst für sich und seinen Lernerfolg verantwortlich sein?

Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit

Werfen wir doch einmal einen Blick an das Ende der Schulzeit. Was soll ein Kind im Laufe der Jahre gelernt haben, wie soll es mit Anforderung umgehen, die in der Berufsausbildung oder im Studium an es gestellt werden? Selbstständig und kompetent. Und mit dieser Antwort haben wir bereits unser Ziel: Am Ende der Schullaufbahn müssen Kinder selbstständig und sicher im Umgang mit Lernanforderungen umgehen können. Natürlich bedeutetet das nicht, dass Kinder auch als junge Erwachsene nicht auch an Grenzen stoßen und um Hilfe bitten dürfen, aber auch damit müssen sie selbstständig und ohne Kontrolle umgehen können. Wenn wir dies also als Ziel setzen, dann ist eigentlich auch der Weg klar: Im Laufe der Jahre müssen wir als Eltern immer mehr Verantwortung und Kontrolle abgeben und damit die Selbstständigkeit des Kindes fördern. Dies gelingt am besten Schritt für Schritt.

Eine sensible Zeit: der Übergang in die weiterführende Schule

Die 5. Klasse ist für die meisten Schüler und Schülerinnen ein ganz besonderes Schuljahr. Für viele ist dieses mit einem Schulwechsel verbunden und damit mit einer ganz neuen Umgebung. Neue Mitschüler und Mitschülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen, ein neuer Schulweg, ein neues Schulgebäude, neue Lernfächer und an der Schule wieder der Jüngste oder die Jüngste sein. Dieser Anfang an der weiterführenden Schule ist anstrengend, aufregend und für viele Kinder mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Vor diesem Hintergrund benötigt ein Kind in der 5. Klasse manchmal sogar noch mehr Unterstützung als am Ende der Grundschulzeit, die im vertrauten Rahmen und in festen sozialen Gefügen stattgefunden hat. Beim schrittweisen Übergang zu mehr Selbstständigkeit sollten Eltern das unbedingt berücksichtigen. Die 5. Klasse ist eine sensible Zeit und sollte mit genau so viel Verständnis und Unterstützung wie nötig begleitet werden.

Die Grundschulzeit unter elterlicher Obhut

Ist das Kind dann gut in der weiterführenden Schule angekommen, darf auf das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ umgestellt werden. Das Kind sollte nun immer mehr Verantwortung übernehmen und selbstständig seine Aufgaben erledigen. Dabei erhält es aber jederzeit Unterstützung, wenn es diese benötigt. Es geht jetzt vor allem darum, den nötigen Rahmen zu schaffen, um dem Kind einen verantwortungsvollen Umgang mit seinen schulischen Verpflichtungen zu ermöglichen. Folgende Tipps können dabei hilfreich sein:

Ein fester Zeitpunkt für die Erledigung der Hausaufgaben

Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind fest, wann die Hausaufgaben und das Lernen zu erledigen sind. Das muss nicht unbedingt täglich exakt gleich sein, wenn beispielsweise am Nachmittag auch Hobbys anstehen, darf natürlich an den einzelnen Tagen auch variiert werden. Aber ein Hinausschieben auf den späten Abend wird vermieden, wenn der Zeitpunkt bereits feststeht und nicht immer neu diskutiert werden muss.

Schaffung einer ruhigen Arbeitsatmosphäre

Hausaufgaben im größten Trubel oder Vokabel lernen während der Fernseher läuft? Das ist wohl kaum möglich. Das Kind sollte daher einen ruhigen Raum zur Verfügung haben, in dem es sich ganz und gar auf seine Aufgaben konzentrieren kann und wenig Ablenkung droht. Ein eigener Schreibtisch im Kinder- oder Arbeitszimmer ist ideal. Aber auch der Küchentisch darf herhalten, wenn keine Geschwister direkt daneben spielen oder Besucher spannende Geschichten erzählen.

Führen eines Hausaufgabenheftes und tägliche Kontrolle

In den ersten Jahren der weiterführenden Schule sollten Eltern weiterhin darauf bestehen, dass ein Hausaufgabenheft geführt wird. Nur so kann kontrolliert werden, ob die Hausaufgaben erledigt wurden. Dies sollte in der Unterstufe – etwa bis zur 8. Klasse – auf jeden Fall noch geschehen. Nur so bekommen Eltern mit, ob das Kind seine Hausaufgaben selbstständig und sicher erledigen kann oder ob Lerndefizite bestehen. Mit der Zeit darf das Kontrollintervall auf zweimal wöchentlich oder wöchentlich reduziert werden, wenn das Bauchgefühl der Eltern und der Lernerfolg dies zulassen. In der Mittelstufe ist bei zuverlässigen Schülern und Schülerinnen dann unter Umständen gar keine Kontrolle mehr notwendig.

Hilfe und Unterstützung bei Bedarf

Wenn das Kind seine Aufgaben nicht versteht, darf es natürlich jederzeit um Hilfe bitten. Dabei sollten Eltern darauf achten, dann nur Erklärungen und Anleitung zu geben und nicht die Aufgaben für das Kind zu lösen. Im Rahmen der Hilfe zur Selbsthilfe dürfen Eltern den Kindern auch gerne Tipps geben, wo diese Hilfe finden können (im Internet, im Lexikon, bei der Lehrkraft oder bei Klassenkameraden).

Vorbereitung auf Klassenarbeiten

Die Termine für angekündigte Klassenarbeiten dürfen Eltern im Blick haben. Dazu können diese beispielsweise im Küchenkalender eingetragen werden. Das Lernen müssen die Kinder natürlich selbstständig übernehmen, doch vor allem am Anfang der weiterführenden Schule ist es sinnvoll, das Kind rechtzeitig an das Lernen zu erinnern. Auch das Abfragen des Gelernten dürfen Eltern dann gerne übernehmen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass folgendes Grundprinzip gelten sollte:
So viel Hilfe und Unterstützung wie nötig, aber so wenig wie möglich.

Den eigenen Weg finden: gemeinsam mit dem Kind

Eltern dürfen und sollten sich daher immer mehr zurückziehen, immer weniger Kontrolle und Verantwortung übernehmen und den Weg in die Selbstständigkeit fördern. Natürlich Schritt für Schritt und immer nur so weit, wie es die Fähigkeiten des Kindes zulassen. Bei Überforderung oder Misserfolgen darf auch ein Schritt rückwärts gemacht werden und vorübergehend wieder mehr Unterstützung geleistet werden. Aber immer mit dem Ziel vor Augen, die Selbstständigkeit zu erreichen. Jedes Kind ist dabei anders und hat sein eigenes Entwicklungstempo. Während manche Kinder bereits recht bald selbstständig mit ihren schulischen Verpflichtungen umgehen, brauchen andere etwas länger einen festen Rahmen und gute Unterstützung. Als Eltern sollten Sie sich daher nicht zu viel Druck machen und ein Tempo finden, das für Sie und Ihr Kind angemessen ist. Umgekehrt sollten Sie natürlich auch nicht zu lange zu viel Verantwortung übernehmen, damit ihr Kind nicht unselbstständig bleibt und sich zu sehr auf Sie verlässt. Manchmal ist auch ein Misserfolg notwendig, um einen Lernerfolg zu erzielen. Klingt ganz schön schwierig? Ist es irgendwie auch. Aber irgendwie auch nicht: Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber. Nutzen Sie dabei folgende Fragen:

– Welche Unterstützung brauchst du von mir?
– Wann und wie kannst du am besten lernen?
– Was denkst du, wie viel Kontrolle du brauchst?
– Was kannst du schon sehr selbstständig?
– Was wünschst du dir von mir bezüglich der Schule?

Pushen oder bremsen? Eine Frage der Persönlichkeit

Während Lea sehr unsicher und ängstlich ist und deshalb sehr gerne dauerhaft einen Erwachsenen bei sich hat, während sie ihre Hausaufgaben erledigt, ist Marlon von sich überzeugt, braucht keine Hilfe und „überfliegt nur mal schnell“ die neuen Vokabeln. Beide Kinder brauchen daher etwas ganz anderes. Die Persönlichkeit eines Kindes spielt bei der Frage der schulischen Unterstützung an weiterführenden Schulen daher auch eine entscheidende Rolle. Lea sollte darin bestärkt werden, auch einmal eine Aufgabe alleine zu versuchen. In kleinen Schritten, erst bei einer Teilaufgabe, dann beim ganzen Arbeitsblatt, sollte Lea daher immer wieder alleine gelassen und nach erfolgreicher Erledigung mit viel Lob überschüttet werden. Marlon braucht dagegen die abendliche Vokabel-Kontrolle mit Abfrage und bei Bedarf Unterstützung dabei, wie man lernt. Berücksichtigen Sie also auch die individuelle Persönlichkeit Ihres Kindes und verlassen Sie sich dabei mal wieder auf Ihr Bauchgefühl.

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